Chronik
Marienheide Kempershöhe Kalsbach Dannenberg Musikzug
Musikzug:
In Scharde gründete sich 1875 die "Schmidtsche Kapelle" unter der Leitung von Fritz Schmidt. Es wurde zunächst in der näheren Umgebung die musikalische Gestaltung von kleineren Festen übernommen. 1907 übernahm Karl Schulte die musikalische Leitung. 1910 stellte er an die Gemeinde Küppelberg den Antrag, ab sofort in Feuerwehruniform auftreten zu dürfen, denn fast alle Mitglieder des Blasorchesters waren auch in der Feuerwehr Kempershöhe. Im August 1914 kam mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges die Vereinsarbeit ganz zum Erliegen. Fast alle Mitglieder wurden zum Militärdienst eingezogen. Im Jahr 1919 wurden unter Leitung von Wilhelm Krobbach die Proben wieder aufgenommen. Die Mitglieder entschieden sich für eine Namensänderung des Blasorchesters – so gab man sich den Namen „Musikverein Scharde“. Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten änderten sich die politischen Verhältnisse in unserem Land. Blasorchester wurden aufgelöst, wenn sie nicht zur SA übertraten. Die hiesige politische Führung hatte ein großes Interesse am Fortbestehen des Orchesters und organisierte einen Übergang in die Feuerwehr Marienheide. Im Volksmund waren sie zwar noch immer die „Scharder“, aber offiziell seit 1938 der „Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Marienheide“. Am 1. September 1939 brach der 2. Weltkrieg aus. Ein großer Teil der Orchestermitglieder wurde sofort zur Wehrmacht eingezogen. Wilhelm Krobbach musizierte mit einer kleinen Mannschaft noch bis Ende 1943 weiter. Anfang 1944 wurden noch Musiker eingezogen und somit kam die Vereinsarbeit zum Stillstand. 1946 begann fürWilli Krobbach, nachdem er 35 Jahre die musikalische Leitung inne hatte, wieder eine neue Phase des Aufbaus. Ein Teil der Mitglieder war noch in Gefangenschaft, Nachwuchskräfte konnten vorerst nicht ausgebildet werden, weil keine Instrumente zur Verfügung standen. Hinzu kam, dass öffentliche Feste von der Militärregierung verboten waren. So beschränkten sich die ersten Auftritte auf kirchliche Veranstaltungen.
Nachdem sich nach und nach die Verhältnisse besserten, traten in den Jahren 1947 bis1949 dem Musikzug mehrere Nachwuchskräfte bei, die durch verschiedene Mitglieder intensiv ausgebildet wurden und schon bald als vollwertige Kräfte zur Verfügung standen. Überall wachte das Vereinsleben wieder auf und das Orchester übernahm in Nah und Fern die Aufgabe, auf Veranstaltungen aller Art zu musizieren. Wilhelm Krobbach erkrankte im Jahr 1952 und musste aus diesem Grunde die musikalische Leitung abgeben. Die Mitgliederversammlung wählte Victor Luppa zum Nachfolger. Er nahm sich neben seiner Tätigkeit als Dirigent auch der Ausbildung junger Nachwuchskräfte mit Erfolg an. Nachdem immer mehr junge Leute in das Orchester eingetreten waren, drängte man darauf, auch im Vorstand vertreten zu sein. Nach dem Motto „Neue Besen kehren gut“, wurde der Dirigent beauftragt, für das Frühjahr 1955 ein eigenes Konzert einzustudieren. Das erste Konzert fand Ostermontag, den 11. April 1955 im Saal des Hotel Trommershausen statt. Im Jahr 1958 erkrankte Dirigent Victor Luppa. Für die nächsten Auftritte sprang Chorführer Ernst-Leo Menger ein. Es stellte sich heraus, dass Herr Luppa durch seine Erkrankung nicht wieder dirigieren konnte. Eine außerordentliche Generalversammlung im Jahre 1959 wählte Victor Luppa zum Ehrendirigenten und Ernst-Leo Menger zu seinem Nachfolger. Anfang der 60er Jahre kam ein Wandel in der Tanzmusik: Blasmusik war out, Big Band war in. Der Musikzug reagierte darauf und gründete 1962 eine Band. Man gab sich den Namen „MM“, abgeleitet von Musikzug Marienheide. Schon nach kurzer Zeit wurde die MM ein Markenzeichen und für viele Tanzveranstaltungen engagiert. Berufliche Gründe, musikalische Doppelbelastung und Wohnungswechsel der Mitglieder führte 1975 zur Auflösung der Tanzkapelle.
Im Jahre 1968 traten mit Hildegard und Elisabeth Lichtinghagen die ersten weiblichen Mitglieder dem Orchester bei. Hier bahnte sich eine Entwicklung an, die sich bis heute fortgesetzt hat.
Der Vorsitzende des Deutschen Volksmusikerbundes, Alfred Kandler, ermunterte den Vorstand, die Verleihung der „Pro Musica Plakette“ zu beantragen, da der Musikzug sämtliche Kriterien erfüllen würde. Mitte Dezember erhielt man die Pressemitteilung, dass bei der Feier des „100-Jährigen“ die Pro Musica Plakette, die eine Stiftung des Bundespräsidenten und der Bundesregierung ist, erhalten würden. Aus beruflichen Gründen legte Anfang 1984 Ernst-Leo Menger sein Amt als Dirigent nieder. Für ihn ging ein erfolgreiches Wirken nach 25 Jahren zu Ende. Am 6. Mai 1984 wählte man den neuen Dirigenten, der, aus Hückeswagen stammend, mit 24 Jahren seinen Dienst beim Musikzug antrat. Im Jahr 1989 hatte Holger Maurer sich für ein Jahr beurlauben lassen, um sein Jurastudium erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Rainer Lauterbach hat in diesem Jahr erfolgreich den Musikzug geführt. Am 7. März 1993 konnte der Musikzug endlich en Proberaum in der Turnhalle Jahnstraße einweihen, der mit viel Arbeit in Eigenleistung gestaltet und “wohnlich“ eingerichtet wurde. Heute ist der Proberaum täglich belegt. Jeden Nachmittag finden Kurse statt. Am 9. April 1995 beteiligte sich der Musikzug an einem musikalischen Wettbewerb. Das Landeswertungsspielen für musiktreibende Züge der Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen wurde in Belecke ausgerichtet. Unter ca. 20 Musikzügen konnte der Musikzug mit der Silbermedaille einen 2. Platz erreichen. Am 2. April 1997 beteiligte sich der Musikzug nochmal an einem Landeswertungsspielen der Feuerwehr-Musikzüge in Radevormwald. Auch hier konnte man „nur“ eine Silbermedaille für den 2. Platz erringen. Im Jahr 2000 feierte der Musikzug sein 125-Jähriges Bestehen.